Alte Badstube

Alte Badstube

Station 9 – Alte Badstube


Audiobeitrag zur Alten Badstube


In Herrenberg gab es zwei Badstuben. Die ältere wurde schon mit der Stadtgründung im 13. Jh. eingerichtet, eine weitere 1342 in der heutigen Badgasse 19.

Die Alte Badstube stand nicht direkt an der Badgasse, sondern hatte zur Straße hin einen kleinen Garten mit Zugang zum Badhaus und grenzte ursprünglich hinten an die Stadtmauer. Die Wasserversorgung gewährleistete ein nahe des Hauses gelegener Grundwasserbrunnen, der „Baadbrunnen“, der noch 1774 zum Grundstück des Hauses Badgasse 31 gehörte.

Teile der Alten Badstube waren bereits im 1880 abgebrochen und zu einer Färberwerkstatt umgebaut worden, 1983 wurde das gesamte Gebäude abgerissen. Das Erdgeschoss war aus massivem Sandsteinmauerwerk erbaut. Erkennbar war noch, dass die eigentliche Badstube eine Größe von ca. 10,70 x 9,90 einnahm und mit einem neunteiligen Kreuzgratgewölbe überspannt war, das auf vier Sandsteinpfeilern in der Raummitte ruhte. Nachdem beim Stadtbrand 1635 beide Badstuben abgebrannt waren, wurde vorerst kein Badebetrieb mehr aufgenommen und die Gebäude wurden mit bürgerlichen Wohnungen überbaut. Interessanterweise berichten jedoch Quellen von 1853 und 1874, dass im hier wieder ein öffentliches Bad eingerichtet war: eine „Badeanstalt“ bzw. „3 Badekabinette mit Bretterabscheidungen“.

Die öffentlichen Bäder im Mittelalter waren üblicherweise Schwitzbäder, vergleichbar der heutigen Sauna. Wannenbäder nahm man dort selten. Das Schwitzbad begann mit dem Ablegen der Kleider, dann wurde der Badegast mit lauwarmem Wasser übergossen und seine Haut mit einem Rutenbündel gerieben, bevor er sich in die eigentliche Badstube mit Ofen und gestuften Bänken begab, wo eine trockene Hitze herrschte. Von Zeit zu Zeit wurden erhitzte Steine mit Wasser übergossen. Danach wusch sich der Badegast mit Lauge oder Seife mit einem Badeschwamm ab und legte sich anschließend auf ein Ruhebett.

Im Mittelalter waren Badstuben Orte geselligen Beisammenseins, wobei es, wie zeitgenössische Bild- und Textquellen belegen, manchmal alles andere als prüde zuging. Außer dem eigentlichen Bad konnte man in den Badhäusern verschiedene Dienstleistungen rund um die Körperpflege wie z.B. Haar- und Bartscheren in Anspruch nehmen, teilweise wurden wohl auch Speisen und Getränke gereicht. Die Bader boten zudem eine medizinische Grundversorgung an. Üblich war das Schröpfen und der Aderlass, aber auch das Ziehen von Zähnen, die Behandlung von offenen Wunden oder das Richten gebrochener Gliedmaßen.

Die mittelalterliche Badekultur fand ihr Ende vor allem durch die stark ansteigenden Holzpreise im 16. und 17. Jahrhundert.

 

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