Beginenhaus

Beginenhaus

Station 24 – Beginenhaus


Audiobeitrag zum Beginenhaus


Die Beginen waren unverheiratete Frauen, die sich zu einem frommen, besitzlosen gemeinsamen Leben unter der Leitung einer „Mutter“ zusammenfanden. Sie
gehörten keinem Orden an, befolgten aber eigene Armuts- und Keuschheitsgelübde. Wegen ihres klosterähnlichen Lebens wurden sie im Volksmund häufig als „Nonnen“ bezeichnet, wegen ihre Kleidung auch „Schwestern der Grauen Sammlung“. Diese Frauen übernahmen Aufgaben bei der Versorgung von Armen, Kranken und Sterbenden. Für die Kirche backten sie Hostien, fertigten Kerzen und pflegten die liturgischen Gewänder und Altartücher. Im Gegensatz zu „echten“ Nonnen konnte eine Begine die Gemeinschaft aber wieder verlassen und auch heiraten. Die Herrenberger „Nonnen“ wurden seit 1469 erwähnt, sie hatten wohl zuerst ein Haus am Burgrain.

1488 brachte Wenzel Melweiß, der Propst der an der Stiftskirche ansässigen Chorherrengemeinschaft der „Brüder vom Gemeinsamen Leben“, einige „Nonnen“ von Urach nach Herrenberg. Im folgenden Jahr wurde das im Winkel zwischen Stadt- und Kirchhofsmauer unterhalb der Lateinschule gelegene Anwesen von Stift und Stadt gemeinsam erworben und als „Nonnenhaus“ eingerichtet.

Als 1517 die „Brüder vom Gemeinsamen Leben“ aufgelöst wurden, baten die Schwestern den Papst um Eingliederung in einen Bettelorden. Er ordnete an, dass sie die Regel des dritten Orden der Franziskanerinnen annehmen sollten. Nach der Reformation ließ man den Orden aussterben; die letzte Begine starb 1580 im Herrenberger Spital.

 

» Zurück zur Karte