Handelshaus Khönle

Handelshaus

Station 3 – Handelshaus Khönle


Audiodatei zum Handelshaus Khönle


Hans Jakob Khönle (1618-1675), Sohn eines Müllers aus Hildrizhausen, erlernte in Frankfurt oder Hanau den Beruf eines Kaufmanns. 1651 heiratete er eine Herrenberger Bäckerstochter. Zuerst handelte er mit Eisenwaren, die zur Zeit des Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg stark nachgefragt wurden. Sein Geschäft florierte und er erweiterte das Warensortiment. Äußeres Zeichen seines Erfolges ist die Zunahme seines Immobilienbesitzes. Bereits 1652 kaufte Hans Jakob Khönle eine Hofstatt am Markt (Marktplatz 7, ehem. Marktapotheke), auf der er sein erstes Haus errichtete. Er erwarb auch die Hofstatt daneben (Marktplatz 6, 1663/64 bebaut), eine unbebaute Hofstatt in der Tübinger Straße sowie 1667 das Haus Schuhgasse 2.

Sein Sohn Johannes Jakob Khönle (1652-1731) führte das Unternehmen mit großem Erfolg weiter. In Frankfurt hatte er vier Läden, weitere in Tübingen, in Horb und am Marktplatz in Herrenberg. Durch Beziehungen nach Köln und in die Niederlande verkaufte er auch überseeische Produkte, so dass man im Khönle’schen Laden in Herrenberg neben Bedarfsgegenstände aus Metall und den verschiedensten europäischen Produkten auch Tabak aus Guyana, Zinn aus Indien, Weihrauch und Gewürze aus dem Orient, türkische Schnüre, Porzellan aus China und Kaffee aus Java kaufen konnte. Johann Jakob Khönle erwarb 1678 den Hofstattplatz Ecke Marktplatz/Tübinger Straße, so dass der Familie Khönle fast die gesamte Südseite des Marktplatzes gehörte. Er kaufte und leitete zudem die dritte Ammermühle.

Von diesem Gebäude stammen die geschnitzten Eckpfeiler, die Johann Jakob Khönle und zwei seiner vier Ehefrauen als Verkörperungen der Jahreszeiten darstellen und die im Fruchtkasten ausgestellt sind. Durch sein Vermögen konnte Johann Jakob Khönle der Stadt Herrenberg, als diese im Pfälzer Erbfolgekrieg von französischen Truppen bedroht wurde und immer wieder Militär in der Stadt lagerte, finanziell über die Runden helfen. Aus seiner dritten Ehe stammte sein gleichnamiger Sohn Johann Jakob (1689-1733), ebenfalls ein erfolgreicher Kaufmann, der 1717 seinen eigenen Laden im Haus Ecke Marktplatz/Tübinger Straße eröffnete. Dessen Witwe heiratete Christoph Adam Erhardt aus Urach (1704-1773). Er führte das Khönle’sche Familienunternehmen erfolgreich weiter und war zudem von 1752-1766 Bürgermeister in Herrenberg. Da er und seine Frau keine Nachkommen hatten, legte er sein Vermögen in wohltätigen Stiftungen und Spenden für kirchliche Zwecke an.

 


 

Der Immobilienbesitz der Handelsfamilie Khönle

 

Handelshaus-Plan

 

Der Marktplatz und seine nähere Umgebung war die beste Wohnlage der Stadt.

1
Im Januar 1652 kaufte Hans Jakob Khönle eine Hofstatt am Markt, auf der er anschließend sein erstes Haus errichtete (ehem. Marktapotheke, Marktplatz 7).

2
Bis zum Jahr 1657 erwarb er auch den angrenzenden Hofstattplatz zur Schuhgasse hin, den er 1664 bebaute (Marktplatz 6).

3
1664 gelangte er in den Besitz einer unbebauten Hofstatt in der Tübinger Straße (Tübinger Straße 3).

4
1667 kaufte er das „Haus des alten Vogts“ Johann Georg Vischer (Schuhgasse 2)

5
Sein Sohn Johann Jakob Khönle erwarb 1678 den Hofstattplatz Ecke Marktplatz/Tübinger Straße und errichtete darauf 1680 das heute noch bestehende Gebäude

 

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