Propstei

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Station 23 – Propstei


Audiobeitrag zur Propstei


Der Name „Propstei“ stammt aus der Zeit zwischen 1481 und 1517, als hier die Chorherrengemeinschaft der „Brüder vom Gemeinsamen Leben“ mit ihrem
Vorsteher, dem Propst, wohnte. Ursprünglich war das Gebäude um 1440 von den Grafen von Württemberg als Schlösschen für ihre Jagdausflüge in den Schönbuch errichtet worden, da das über 250 Jahre alte Schloss auf dem Berg nicht mehr komfortabel genug war. Graf Eberhard im Bart übergab den „Brüdern vom Gemeinsamen Leben“ 1481 das Anwesen als Wohnhaus. Für sie wurde es innen umgebaut, ein Garten angelegt und ein Weingarten oberhalb des Hauses erworben. Propst Johannes Rebmann ließ um 1502 den Kapellenerker zur Stadtmauerseite hin anbauen. Nach der Reformation wurde die Propstei Sitz des Obervogtes. Von 1548-51 waren spanische Soldaten hier einquartiert, nachdem Herzog Ulrich im Schmalkaldischen Krieg auf der Verliererseite mitgekämpft hatte und Herrenberg durch Truppen Kaiser Karls V. besetzt worden war. Die Spanier forderten den Wiederaufbau von Chorgestühl und Ratgeb-Altar in der Stiftskirche, so dass der Erhalt dieser Kunstwerke ihnen zu verdanken ist.

Ab 1577 ließ Herzog Ludwig die Propstei zu einem angemessenen herrschaftlichen Quartier um- und ausbauen. Bei dieser Gelegenheit kam der Kontakt zwischen Hofbaumeister Georg Beer und dem Herrenberger Schreiner Heinrich Schickhardt zustande, der im folgenden Beers Assistent wurde und besonders unter Herzog Friedrich I. eine steile Karriere als Baumeister machte. Nach der verlorenen Schlacht von Nördlingen 1634 wurde Herrenberg wieder von Kaiserlichen besetzt. Die Jesuiten verwalteten von 1636-1648 das Herrenberger Kirchengut, und deren Verwalter wohnte in der Propstei, ebenso wie der Obervogt. Von Anfang an gehörten umfangreiche Wirtschafts- und Gartenanlagen zu dem Anwesen: geräumige Keller, Küche und Pfisterei (Bäckerei), Kornhaus und Ställe. Außer Nutz- und Weingarten erwähnen Dokumente des 17. Jahrhunderts sogar hier wachsende Maulbeerbäumen, deren Blätter in die herzogliche Seidenraupenzucht nach Stuttgart geschickt wurden. Bis ins 18. Jh. kamen wiederholt herrschaftliche Jagdgesellschaften in die Propstei. Nachdem 1734 die Obervogteien als Ämter abgeschafft worden waren, wurden herrschaftliche Beamte einquartiert. Seit 1749 bis heute ist die Propstei Amtssitz und Wohnung der Dekane.

 

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