Spitalbezirk

Spitalbezirk

Station 13 – Spitalbezirk


Audiobeitrag zum Spitalbezirk


Das Herrenberger Spital entstand um 1400 durch eine Stiftung des Herrenberger Bürgers Johannes Huter mit Beteiligung der Stadt. Der Zweck war die Schaffung einer Herberge für arme und alte Menschen, es war kein Krankenhaus. Dabei konnten sich finanzkräftige Pflegebedürftige mit ihrem Vermögen eine „reiche Pfründe“ kaufen, d.h. im Gegensatz zu den Armen, die in einem Gemeinschaftstrakt bei recht magerer Kost lebten, erhielten die reichen Pfründner bevorzugte Unterkunft und Verpflegung.

Durch solche Kapitalzuflüsse konnte das Spital Felder, Wälder (Spitalwald bei Haslach!) und Mühlen erwerben und entwickelte sich zu einem florierenden Wirtschaftsbetrieb, der die Armenfürsorge und die Unterstützung der städtischen Bevölkerung in Notzeiten gewährleisten konnte.

Zum Spital gehörte ursprünglich die Spitalkirche zum Hl. Geist, die auf dem Stadtgrundstück des Stifters Johannes Huter errichtet wurde und das Gebäude Spitalgasse 15. Dieses Grundstück hatte die Stadt zur Verfügung gestellt. Hier hatte wahrscheinlich die Herrenberger Synagoge gestanden, die in der Teilungsurkunde von 1347 (siehe „Geteilte Stadt Herrenberg„) erwähnt wurde. Danach hört man nichts mehr von den Juden, vermutlich aufgrund der Verfolgungen während der Pestjahre 1348/49.

Nach dem Stadtbrand 1466 wurde das Spital erheblich erweitert, nachdem 1467/68 unterstützt vom Bischof von Konstanz, der Erzherzogin Mechthild und dem Stadtregiment landesweit für die Wiederherstellung des Herrenberger Spitals gesammelt worden war. Das Anwesen Spitalgasse 18 mit zwei an die Stadtmauer grenzenden Gebäuden und die heutige Schulstr. 7 wurden erworben.

Auf dem Grundstück Spitalgasse 18 errichtete man 1531/32 den „Neuen Bau“ mit Kellern, Wirtschaftsräumen, Wohnräumen für reiche Pfründner (diese waren holzvertäfelt), für den Spitalmeister und das Gesinde. Das Gebäude brannte 1635 ab (das heutige Haus ist von 1780).

Der Spitalbrunnen wird 1566 erstmals erwähnt. In einem Spitalgebäude tagten nach dem Stadtbrand 1635 vorübergehend Rat und Gericht. Bis zum Wiederaufbau des Pfarrhauses 1662 hat man den Dekan Elias Springer notdürftig im Spital einquartiert. Er war der einzige Dekan, der je im Spital gewohnt hat. Entgegen früherer Überlieferungen wurde demnach Johann Valentin Andreae nicht in einem Spitalhaus geboren, sondern im Pfarrhaus, wo der Sitz des Dekans war (Burgrain 3). In der Spitalgasse 15 war von 1709-1901 die Lateinschule, in Schulstraße 7 von 1756-1779 die Deutsche Schule untergebracht, außerdem bis 1936 die Kleinkinderschule.

 

» Zurück zur Karte